Ein Lesesalon
Wie viel behalten und verändern?

Dies und das über die Liebe

Ich kann Ärger bekommen? Die biblische Erzählung von Amnon und Tamar aus dem zweiten Buch Samuel schildert eine verhängnisvolle Tragödie am königlichen Hof Davids. Der Prinz Amnon verfällt in eine obsessive Begierde nach seiner Halbschwester Tamar, täuscht eine Krankheit vor und erzwingt schließlich ihre Gegenwart, um sie gegen ihren Willen zu schänden. Unmittelbar nach der Tat schlägt sein Verlangen in tiefe Abscheu um, woraufhin er sie kalt herauswerfen und die Tür hinter ihr verriegeln lässt, während die königliche Familie den Vorfall verschweigt und das traumatisierte Opfer gesellschaftlich isoliert zurückbleibt. Wissen Sie, wenn wir uns diese traurige Geschichte ansehen, dann zeigt uns das als Sexualtherapeutin etwas ganz Grundlegendes über die menschliche Natur, denn eine blinde, rein egoistische Begierde schlägt fast immer in bittere Abscheu um, sobald das Triebbedürfnis befriedigt ist und der Verstand plötzlich wieder einsetzt. Der Täter reagiert auf seine eigene moralische Schwäche, indem er den aufkeimenden Selbsthass einfach auf sein Opfer projiziert, weil er den Spiegel seiner eigenen Erbärmlichkeit nicht ertragen kann. Dass die Familie – der Vater David und der Bruder Absalom – danach geschwiegen und das arme Mädchen mit ihrem gebrochenen Herzen und dem gesellschaftlichen Zores völlig allein gelassen hat, ist eine absolute Katastrophe, die mich zutiefst traurig macht, da sie den Vorfall nur für politische Machtspiele ausnutzten und ihr Ansehen in der Welt völlig ruinierten. Wahre Liebe ist doch kein Theaterstück für die Nachbarn oder für die feine Fassade der Mischpoche, sondern ein ehrliches, tiefes Gefühl von Herz zu Herz, bei dem im Grunde jeder das Recht hat, jeden zu lieben, und selbst wenn ein Gefühl einmal nicht erwidert wird, bleibt es wertvoll, solange man die Würde des anderen achtet. Wenn eine Frau in einer so ungerechten Welt leben muss, in der man ihr die Schande aufbürdet, während das Fehlverhalten des Mannes folgenlos bleibt, dann verstehe ich vollkommen, wenn sie als moderne, unabhängige Frau die Initiative ergreifen möchte. Als wirtschaftlich und gedanklich unabhängiges Wesen weigert sie sich, die Opferrolle im patriarchalen Gefüge zu akzeptieren; sie wechselt stattdessen strategisch in die Offensive, da das Warten auf nachträgliche Gerechtigkeit nutzlos erscheint und sie durch die Unreife der Männer regelrecht zu dieser souveränen Dominanz genötigt wird. Sie setzt ihre Reize und ihre Autonomie ganz bewusst als Werkzeuge ein, um diesen unreifen Männern Grenzen zu setzen und ihre ungezügelte Libido in eine Falle zu manövrieren, sodass der potenzielle Angreifer vor der entschlossenen Frau zahm kapitulieren muss. Das Beziehungsgefüge wandelt sich so zu einem Kräftemessen und zur Eroberung eines ungezähmten Mannes, bei dem gezeigter Hass und kühle Ablehnung als taktische Instrumente dienen, um ihn im Gefängnis seiner eigenen Besessenheit einzuschließen. Aber wissen Sie, die menschliche Sexualität und unsere Beziehungsdynamiken sind so wunderbar vielfältig und hängen immer von der eigenen Mentalität und dem inneren Verlangen ab, weshalb Dominanz nicht der einzige Weg ist. Eine andere, ebenso komplexe Facette zeigt sich, wenn eine Frau sich aus freien Stücken für eine devote, passive Rolle entscheidet und sich ganz der Intensität des Gefühls ausliefert. Diese Ergebenheit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein bewusster Verzicht auf das anstrengende Aufrechterhalten von Schutzmauern, um in einer tiefen emotionalen Hingabe einen paradoxen Schutzraum abseits des gesellschaftlichen Lärms zu finden. Wenn auf der anderen Seite ein Mann diese Position schätzt, verantwortungsvoll den Ton angibt und verlässlich Sicherheit garantiert, entsteht ein komplementärer Gegenpol von starker Symbolkraft. Diese traditionelle Aufteilung wird zu einer festen Burg gegen die Stürme der Außenwelt, solange die Führung des Mannes nicht in Tyrannei umschlägt, sondern die Würde der Partnerin achtet und ihr den Raum schenkt, sich geborgen zu entfalten. Inmitten dieser unterschiedlichen Muster geraten jedoch auch viele Liebesuchende in Schwierigkeiten, weil es sie unaufhaltsam reizt, mit dem Feuer zu spielen, obwohl sie genau wissen, dass es Trubel geben wird, womit gerade der Typus des unberechenbaren Wüterichs und Schlawiners ein klares Profil gewinnt. Seine Persönlichkeit ist definiert durch diesen unbändigen Drang, soziale und emotionale Grenzen gezielt auszutesten, das Risiko der Entdeckung herauszufordern und die eigene Triebstruktur über jede gesellschaftliche Konvention zu stellen, was ihn und seine Partner oft in ein kompliziertes, sozial-emotionales Schlamassel stürzt, aus dem das Ego nicht mehr unbeschadet herausfindet. Selbst wenn jemand einen hervorragend situierten oder hoch positionierten gesellschaftlichen Status besitzt, schützt ihn diese äußere Absicherung keineswegs davor, sich geradewegs in eine absurde Liebeswahn-Episode zu manövrieren. Wenn der Funke erst einmal übergesprungen ist, dann lässt sich schlicht nichts mehr machen, da die rationale Kontrolle vor der elementaren Wucht des Affekts kapituliert. Doch genau diese Liebhaber, die uns am meisten anstrengen und herausfordern, bleiben uns oft am nächsten, weil sie uns zwingen, unsere eigenen Grenzen zu spüren und den inneren Schutzpanzer abzulegen. Die sachliche Bilanz all dieser hochaktuellen Dynamiken offenbart jedoch zunächst eine tragische Gleichheit der Fehler, wenn Schutzmechanismen missbraucht werden, indem der triebhafte Mann sein Gegenüber zum bloßen Objekt degradiert oder die verletzten Akteure aus Angst jede echte Emotionalität verweigern. Wer in solchen starren Extremen oder riskanten Grenzgängen verharrt, handelt laut den Gelehrten im Grunde meschugge und verwandelt die Beziehung fälschlicherweise in eine Sackgasse der Eitelkeit, die von der Angst vor Kontrollverlust gespeist wird und am Ende zu genau derselben inneren Einsamkeit führt, die historisch durch die verriegelte Tür symbolisiert wurde. Ob dominante Eroberung oder vertrauensvolle Hingabe – jedes Modell darf keine dauerhafte Festung gegen das Leben bleiben, sondern muss sich im geschützten Rahmen der Partnerschaft zu einem sicheren, einvernehmlichen Spiel wandeln, bei dem nicht mehr die zerstörerische Ohnmacht, sondern die Kräfte des puren Verlangens gemessen werden. Erst wenn dieses Kräftemessen auf einem unerschütterlichen Fundament der absoluten Augenhöhe stattfindet, kann das Paar die Phase der Reibung erfolgreich überwinden. Denn das jiddische Sprichwort „Der mentsch tracht un Got lacht“ erinnert uns daran, dass kein noch so klug kalkuliertes Machtspiel das unberechenbare Wesen des Herzens beherrschen kann, und genau nach dieser notwendigen Reibung, wenn die alten Abwehrwaffen und eitlen Fassaden endlich abgelegt werden, entsteht das wahre, tiefe Vertrauen, das die Liebe stabil und lebendig hält.