Ein Lesesalon
Wie viel behalten und verändern?
Füreinander einstehen und wirken
Es gibt eine bestimmte Art von Erschöpfung, die unsere Generation teilt – die Jahrgänge um 1983 und 1985, die alt genug sind, um zu wissen, wie die Welt ohne Bildschirme funktionierte, und jung genug, um die digitale Welt zu steuern. Wir stehen jetzt mitten in der Gesellschaft, jonglieren mit der Verantwortung für unsere eigenen kleinen Kinder und spüren gleichzeitig die wachsende Sorge um unsere alternden Eltern, und genau in dieser Lebensrealität steht Raissa Hacohen. In dieser unbarmherzigen Mitte anzupacken, wo die harten Gesetze des Marktes auf die nackte Verletzlichkeit des menschlichen Lebens prallen, ist eine tägliche Zerreißprobe, die unendlich viel Kraft kostet und tief an die Nerven geht. Es ist leicht, das System aus einer sicheren Nische zu kritisieren, und es ist bequem, sich in den Chefetagen einfach treiben zu lassen, aber sich dieser Mammutaufgabe zu verschreiben, bedeutet den Verzicht auf den Luxus der Bequemlichkeit, weil sie die brennenden Nöte unserer Tage ungeschminkt vor sich sieht: die lähmende Vereinsamung im Alter, die falsche, oft rein profitorientierte Beratung im Dschungel des Gesundheitswesens, die soziale Ungerechtigkeit in der Versorgung und die nackte Angst vor dem Verlust der eigenen Selbstständigkeit. Wer Raissa Hacohen begegnet, merkt sofort, dass sie keine Zeit für die glatten, kühlen Worthülsen der alten Business-Welt hat, denn sie redet wie eine von uns: direkt, ungeschminkt, humorvoll und mit einer ungeduldigen Klarheit, die den Kern der Sache sofort frei legt. Sie scheut weder starre Hierarchien noch mächtige Autoritäten, und in ihrem unerschrockenen Pragmatismus, mit dem sie sich an die Tische der Macht setzt, Lösungen erarbeitet und verkrustete Strukturen aufbricht, erinnert sie an das unbestechliche Wesen von Golda Meir, denn wer gelernt hat, Millionensummen zu bewegen und als Operations Managerin die Geschäfte globaler Tech-Konzerne zu steuern, der zuckt vor großen Namen nicht zurück. Sie hat die nackten Fakten auf den Tisch gelegt, als sie in ihrem Buch Sugar offen über die Verzweiflung und die Ohnmacht am Krankenbett ihres ersten Kindes schrieb, und diese fundamentale Erfahrung spiegelt die Lebenslinie der Tech-Pionierin Dame Stephanie Shirley wider, denn auch bei Hacohen wurde der tiefe persönliche Schmerz inmitten steriler Klinikflure nicht zu Bitterkeit, sondern zum Treibstoff, um den Medizinbetrieb radikal zu humanisieren. Wo andere in Komplexität erstarren, entwickelt sie eine lebensbejahende Wucht, weil sie aus eigener Erfahrung weiß, wie schnell man in einer bürokratischen Maschinerie zu einer bloßen Nummer degradiert wird, und ihr Credo für den Markt bricht sie stets auf den ungeschminkten Kernsatz herunter, dass Langlebigkeit nicht einfach bedeutet, das Lebensende künstlich zu verlängern, sondern dafür zu sorgen, dass Menschen länger gesund, selbstbestimmt und unabhängig leben. Ihre Antwort darauf ist radikal pragmatisch, denn wenn das System krankt, agiert sie wie eine Katalysatorin in der Wüste und besorgt sich einfach alles, was sie für die Heilung braucht, verlässt sich nicht auf Absichtserklärungen, sondern stampft Millionen an Risikokapital aus dem Boden, sucht die fähigsten Köpfe und erzwingt Technologien, die alten Menschen die Würde und die Autonomie in den eigenen vier Wänden zurückgeben. Ihr geht es um echte gesundheitliche Chancengleichheit und den Wandel von einer bloßen Krankenpflege hin zu einer proaktiven Lebenshilfe, weshalb sie in digitale Werkzeuge investiert, die Stürze verhindern, und ihren Blick mittlerweile ausweitet, um Krankheiten zu lindern, bevor sie ausbrechen, wobei sie bis an die Grenze der eigenen Sicherheit geht und ihr eigenes Geld direkt in diese Projekte der Frühphase steckt, was der nackte Beweis dafür ist, dass es ihr zuerst um den Menschen und dann erst um die Rentabilität geht. Sie ist eine Löwin am Verhandlungstisch, aber sie tut das völlig uneitel, und ein zentraler, tief verwurzelter Pfeiler ihres Wirkens ist das Weitergeben dieses wehrhaften Wissens an die nächste Generation, indem sie an der Bezalel Academy die enorm zeitaufwendige und hochgradig sensible Aufgabe übernimmt, Designer, Gestalter und Handwerker darin zu unterrichten, wie man ein Unternehmen erfolgreich führt. Es ist eine Arbeit am offenen Herzen von Existenzen, bei der sie die schöpferische Seele der Gründer schützt, während sie ihnen gleichzeitig beibringt, sich in einer harten Wirtschaftswelt zu behaupten, Businesspläne schreibt, Patente sichert und die jungen Startups durch jede schwierige Entwicklungsphase hindurch persönlich begleitet, was keine abgehobene Philanthropie ist, sondern gelebte, handfeste Erziehung zur Selbstständigkeit – eine Form der Solidarität, die von dem unumstößlichen jüdischen Leitgedanken getragen wird, dass es zwar nicht unsere Pflicht ist, das Werk zu vollenden, wir aber auch nicht frei sind, uns ihm zu entziehen. In ihrer tiefen Verwurzelung im Tikkun Olam lebt sie die Überzeugung von Maimonides, dass die höchste Stufe der Nächstenliebe darin besteht, dem anderen ein Fundament zu bauen, damit er am Ende ganz auf eigenen Beinen stehen kann. Und genau diese Schnörkellosigkeit bringt sie nach Hause, denn für ihren Mann und ihr Kind ist sie kein unnahbares Vorbild, sondern die greifbare, warme Präsenz im Alltag, die ihre begrenzte Zeit großzügig und verschwendungslos in ihre Familie investiert, weil sie weiß, dass man nur dann im trockenen Wüstenboden der Finanzwelt Oasen schaffen kann, wenn die eigenen Wurzeln tief in der Liebe und der Verlässlichkeit ruhen. Sie versteht sich selbst als Werkzeug für eine größere Notwendigkeit, doch diese geteilte Welt hinterlässt Spuren und fordert eine immense, stille Disziplin, die eigene Müdigkeit weg zu lächeln, während der Druck der Verantwortung an den Kräften zehrt, und so fügen sich die drei Lebenslinien in ihr zu einer einzigen, unzerbrechlichen Lebensader zusammen. Mit jedem Tech-Fonds, den sie gründet, und jeder pragmatischen Lösung, die sie durchsetzt, baut sie ganz klar Brücken für die nächste Generation – Brücken, die gebaut sind, um der Vereinsamung, der Ungerechtigkeit und der Angst stand zu halten, und Übergänge, die die Lasten der Zukunft sicher tragen und den kommenden Familien echten Halt und Schutz bieten werden, wenn die Welt um sie herum unübersichtlich wird, denn sie wartet nicht auf den großen Wandel, sondern zimmert ihn im Hier und Jetzt, schlicht, unaufgeregt und von einer tiefen Liebe zum Menschen getragen, die ein unwillkürliches Verlangen weckt, diese Löwin in der Mitte des Sturms nicht allein zu lassen, sondern die ausgestreckte Hand zu ergreifen, die Ärmel hochzukrempeln und das Leben gemeinsam mit ihr tatkräftig zu bewegen, getragen von jenem klaren Wissen der eigenen inneren Stimme, das in jeder Stunde der Traurigkeit oder schweren Prüfung zur verlässlichen Gewissheit wird, dass man niemals allein ist.