Ein Lesesalon
Wie viel behalten und verändern?

Abrahams Postkasten

Iris: Wissen Sie, wenn ich heute in dieses alte, gelbe Notizbuch blicke, dann zieht es mich unwillkürlich zurück an die Duane Street. Zu Abraham Cahan. Er war ein Pionier. Damals, in der Redaktion des Forverts, hat er eine Kolumne ins Leben gerufen, die hieß ein Bündel Briefe. Das war kein Platz für trockene, distanzierte Theorie. Er sparte sich den Schleier und kam direkt zur Sache. Abraham hat mit seiner Rubrik Raum für einen echten, klaren Ratgeber geschaffen.
Inge: Da hast du recht, Iris. Abe sprach in seiner Sprache eben nicht um den heißen Brei herum. Er hat den Menschen eine echte Starthilfe in der Fremde gegeben. Ihm half seine klare, lebensnahe Sprache dabei, eine Brücke in das neue Leben zu bauen und die Menschen wirklich zu erreichen. Die Leute haben ihm ja nicht geschrieben, um bloß zu jammern. Das mochte Abraham nicht, und ich übrigens auch nicht. Die wollten verstanden werden, ihre Würde verteidigen und sich rechtfertigen!
Iris: Es waren stolze, zutiefst anständige Menschen im Strudel eines Neuanfangs, die oft einfach nicht begriffen haben, warum das Schicksal ihnen so miese Karten austeilte. Sie saßen alle da und fragten sich leise, mit einer brennenden Verzweiflung im Herzen: Ich tue doch mein Bestes, ich folge den Regeln – was verdammt noch mal habe ich falsch gemacht?
Inge: Nehmen wir doch mal diese junge Nasye. Eine absolut integre, feinsinnige Frau, eigentlich. Aber schreibt an Abraham, weil sie fix und fertig ist mit den Nerven. Warum? Weil die Verwandten es zur Hochzeit mal wieder zu gut meinten. Achtunddreißig Kerosinlampen und zweiundfünfzig Federkissen haben sie ihr in die Wohnung geschleppt. Natürlich alles ungeplant gekauft! Und mitten auf der Feier brüllt auch noch so ein Landsmann durch den Saal: Mensch, wir hätten uns vorher absprechen müssen! Na, schönen Dank auch.
Iris: Das Absurde an der ganzen Situation ist ja, dass sich wirklich niemand abgesprochen hatte. Da sitzt sie nun, sorgt sich um das Budget für die Miete und fragt Abraham, ob sie ein schlechter Mensch ist, weil sie sich über zehn Hackmesser nicht freuen kann, während die wirklich wichtigen Dinge für den Haushalt komplett fehlen. Sie hat nun ein paar Artikel en masse und den großen Rest gar nicht, und ihr Mann sitzt am Tisch und muss einundachtzig Dankeskarten schreiben.
Inge: Da gab es ja auch diesen anderen Brief von einem Vater, einem echten Malocher. Der war bereit, für die Hochzeit seiner Tochter zweitausend Dollar auszugeben. Aber seine Frau und das Kind wollten immer noch mehr. Da bat der Vater Abraham um Rat und sagte ganz klar, dass er es überhaupt nicht einsieht, sich dafür zu verschulden. Und was antwortet ihm Abe? Der redet wieder Tacheles: Grandiose Hochzeiten passen nicht zu Arbeitern! Er riet dem Mann, sich auf keinen Fall in Schulden zu stürzen, sondern ein bescheidenes und gemütliches Fest auszurichten. Darüber würden sich die Gäste am Ende viel mehr freuen. Und mit dem gesparten Überschuss sollte er lieber dem Brautpaar helfen, ihr neues Zuhause vernünftig einzurichten. Das neue Land verlangt keinen Hochmut, sondern gegenseitige Achtung und Nachsicht. Das war die Realität jener Tage.
Iris: Und dann diese handfesten psychologischen Zerreißproben mitten in den Familien. Eine verzweifelte Schwiegertochter schreibt, wie ordentlich sie ihren Alltag strukturiert, liest, näht und wie wichtig ihr ein gepflegtes Zuhause ist. Und ausgerechnet die Schwiegermutter zieht bei ihr ein. Eine exzentrische, lebenshungrige Dame, wie direkt aus einem modernen Theaterstück entsprungen.
Inge: Mensch, ja! Die pennt bis mittags, qualmt die erste Zigarette noch im Bett, macht niemals ihr Zimmer und sitzt im Morgenmantel mit schwarzem Kaffee vorm Fernseher. Und als ob das nicht reicht, sucht sie das gesellschaftliche Leben, rennt zu Cocktailpartys, geht auf Schnäppchenjagd in den großen Kaufhäusern und schleppt nachts ihre ganze Pokerrunde mit in die Wohnung! Die Schwiegertochter kriegt die Krise, weil sie nur noch den Salon hinter den Kartenspielern herräumt. Sie rechtfertigt sich vor Abraham: Ich sage ja nichts zu ihr, jeder soll leben, wie er will, aber die Dame hat genug Kohle, die soll sich bitteschön eine eigene Wohnung in der Nachbarschaft suchen!
Iris: Der Ehemann hatte seine Mutter damals überredet einzuziehen, damit sie nach dem Tod ihres Mannes nicht so allein ist. Er hatte schlicht nicht gewusst, wie empfindlich seine Frau reagieren würde und wie angespannt sie ist, wenn die lockere Mutter dauerhaft bei ihnen wohnt.
Inge: Und was sagt Abraham dazu? Er reagiert gar nicht mit harter Strenge, sondern rät dem jungen Paar ganz mild und höflich, der älteren Dame in einem warmen Gespräch zu erklären, dass das Zusammenleben unter einem Dach so einfach nicht funktioniert. Wenn sie eine eigene Wohnung in der direkten Nachbarschaft beziehen würde, wäre sie ihrem einzigen Kind immer noch ganz nah, aber beide Seiten hätten ihren Frieden.
Iris: Manchmal ging es aber auch um existenzielle Not, die man erst auf den zweiten Blick versteht. Im Frühjahr neunzehnhundertvierzehn schreiben siebenunddreißig Ehemänner einen gemeinsamen Brief direkt aus dem Gefängnis für Säumige. Die Männer sitzen dort, weil sie die finanzielle Verantwortung für ihre Familien verweigert haben, und versuchen nun, die Gemeinschaft schamlos zu erpressen. Das Frühlingsfest steht vor der Tür, sie wollen raus, um den rituellen Feiertag im Kreis der Gemeinde zu begehen. Wenn man sie nicht freilässt, drohen sie eiskalt, Frau und Kinder nach der Entlassung für immer im Stich zu lassen.
Inge: Da ist mir beim Lesen fast der Kragen geplatzt! Aber die Wahrheit hinter den Kulissen war damals verdammt hart: Es war für die Männer fast unmöglich, eine Arbeit zu finden. Die Insassen saßen oft dort ein, weil sie gar kein Einkommen hatten oder ihren Frauen von dem spärlichen Tagelohn einfach nichts abgaben. Die verzweifelten Mütter saßen ohne einen Cent da und wandten sich an Hilfsorganisationen. Dort gab man ihnen den bitteren Rat, ihre eigenen Ehemänner zu verklagen. Das Familiengericht urteilte im Sinne der Frauen, und nur durch diesen drastischen Schritt, durch die Haft der Männer, konnten die Mütter für diese Zeit ein Almosen zur Überbrückung bekommen, um das Überleben der Kinder zu sichern.
Iris: Und wie reagiert Abraham? Er weist die unverschämte Drohung der Männer zwar als moralische Schande zurück, aber er beweist Weitsicht für die Zukunft der Betroffenen. Er bittet die Frauen, ihre Männer zu Pesach aus dem Gefängnis zu holen. Nicht, weil die Kerle es verdient hätten, sondern um die Not der Familie nicht noch weiter zu vergrößern. Er rät ihnen, sich zu versöhnen und trotz allem an der Familie festzuhalten, damit die Kinder eine Chance auf ein stabiles Zuhause haben. Das ist echter, praktischer Rat in schwerer Zeit.
Oder dieses andere Mädchen. Sie war gut ausgebildet, hatte BWL studiert und wollte nach dem Studium unbedingt eine Stelle finden, um ihren Eltern nach der ganzen Ausbildung nicht weiter zur Last zu fallen. Aber der Arbeitsmarkt war unerbittlich. Sie bekam den begehrten Job nur durch einen herabwürdigenden Trick, von dem viele jüdische Freundinnen wussten. Die ungeschriebene Regel für alle Minderheiten auf dem Markt hieß damals ganz pragmatisch, ganz brutal: Tue so, als wärst du gar nicht anders. Das war die harte Realität, und das galt gleichermaßen für Juden, Iren und Negros.
Inge: Also griff sie zu dieser Schutzmaßnahme, einer Maskerade. Sie behauptet im Büro, sie gehöre der christlichen Kirche an. Jeden verdammten Morgen legt sie sich ein goldenes Kreuz um den Hals – wie ein reines Büro-Outfit. Und nach Feierabend wandert das Ding sofort wieder in die Handtasche. Sie schreibt an Abraham, hat ein furchtbar schlechtes Gewissen und fragt, ob sie eine Verräterin ist.
Iris: Und hier greift Abraham mit voller Härte durch. Er ermahnt die Eltern und gibt ihnen vollkommen recht: Das Mädchen soll ihre Ahnen und sich selbst nicht verleugnen wie ein Hypokrit. Er gibt ihr den Mut, erhobenen Hauptes zu ihrer Herkunft zu stehen. Sie soll sich für einen Job niemals verbiegen. Er blickt dabei zutiefst kritisch auf die unerträglichen Verhältnisse im Süden des Landes. Dort gab es damals Kirchen, in denen Juden und Christen gemeinsam eine Kongregation bildeten. In gehobenen Kreisen galt das sogar als besonders schick, weil Jesus selbst Jude war und das Christentum propagierte. Tatsächlich konvertierten damals kaum Juden in diese Gemeinden. Aber die paar wenigen, die es taten, weil es im Süden nun mal handfeste berufliche Vorteile brachte, wurden zu reinen Quoten und Zirkusäffchen, mit denen diese feinen Gesellschaften sich schmückten. Abraham gibt den Eltern recht: Man darf sich für eine Stelle nicht verbiegen und nicht wie ein Heuchler die eigene Geschichte auslöschen.
Inge: Recht so! Heuchelei habe ich nämlich mein Leben lang gehasst wie die Pest. Schaut euch die Sache mit der gläubigen Oma an. Die gute Frau wollte doch eigentlich nur mit der Gemeinde gehen und am Fest zur Religionsmündigkeit ihres Enkels teilnehmen. Da Sohn und Schwiegertochter schließlich ein koscheres Lokal gewählt hatten, konnte sie dort auch beruhigt essen. Aber vorher gab es Krach, weil die beiden unverschämt schnippisch zu ihr gewesen waren. Die Oma wollte wegen ihres gekränkten Stolzes erst gar nicht mit ins Lokal gehen.
Iris: Aber Abraham rät der Dame ganz anders. Er schreibt ihr: Sie haben einen Sohn großgezogen, Sie kümmern sich so sehr um Ihren Enkel – das Fest ist Ihre Belohnung! Und Sie würden Ihrem Enkel eine riesige Freude machen. Für ihren Enkel wirft sie die Kränkung beiseite und geht dorthin.
Inge: Aber der Krach mit dem Sohn und der Schwiegertochter darf natürlich nicht ewig so stehenbleiben. So läuft das eben im Judentum: Einmal im Jahr, spätestens an Yom Kippur, vergibt man sich gegenseitig alle Sünden, man sühnt, man bereinigt die Tische und trinkt zusammen. Das ist gelebte Tradition und wahre Haltung.
Iris: Genau wie die bittere Geschichte dieser jungen Wirtschaftswitwe, die als Dienstmädchen arbeitete. Nach dem Tod ihres ersten Mannes war sie völlig allein auf der Welt. Eine Heiratsvermittlerin, eine Matchmakerin, bot ihr scheinbar Hilfe an und wollte sie neuen Kandidaten vorstellen. Doch das Ganze war eine grausame, infame Falle. Die Männer sperrten die junge Frau ein, missbrauchten sie und nahmen ihr all ihr Geld ab. Als sie später endlich entkommen konnte, fühlte sie sich völlig würdelos und entehrt. In ihrer tiefsten Not fand sie schließlich eine Stelle als Haushälterin bei einer Familie und arbeitete dort viele Jahre lang. Niemand im Haus wusste von der finsteren Intrige dieser Vermittlerin. Sie baute sich im Stillen ein neues Leben auf und war eng mit der Familie verbunden. Als dann die Hausherrin starb, bot sich ihr die Chance für einen echten Neuanfang: Ihr Chef wollte sie heiraten. Auch das Kind des Hauses war so sehr an sie gewöhnt, dass es sich die Ehe wünschte und sie anbettelte.
Inge: Doch emotional war die Sache für sie schwer erträglich, denn sie wollte eigentlich erst ihren ersten Mann anständig beerdigen. Da dieser aber als Soldat im Krieg gefallen war, sollte das offizielle Grab letztlich hier in Amerika sein – das war damals ein echtes Interna im zuständigen Ministerium. Aber wann diese Überführung und die Soldatenbeisetzung jemals stattfinden würden, stand völlig in den Sternen. Ihre Freundinnen rieten ihr deshalb, die Beerdigung der Familie des Verstorbenen zu überlassen, um frei für die neue Ehe zu sein.
Iris: Wegen dieser unerträglichen Unbestimmtheit gibt er ihr einen ganz lebensnahen, mitfühlenden Rat. Er schreibt ihr, sie soll ihr Leben im Hier und Jetzt leben. Der erste Ehemann ist bereits unter der Erde, und sie darf ihre eigene Zukunft, ihren schwer erkämpften Neuanfang und das Glück eines wartenden Kindes nicht für ein unbestimmtes Grab opfern.
Inge: Es gab ja aber auch diese wunderbar leichten, fast ungläubigen Briefe über die freie Liebe. Da schreibt ein älteres Paar an Abraham. Die beiden lebten sage und schreibe fünfzig Jahre lang einfach so zusammen – in wilder Ehe! Das muss man sich mal vorstellen. Fünfzig Jahre ohne Trauschein. Nur ein einziger Mensch wusste von diesem Geheimnis: der Bruder der Frau. Und der gute Mann war all die Jahrzehnte lang eine absolute treue Seele, er hat nie ein einziges Wort darüber verloren. Nun wollten die beiden endlich reinen Tisch machen, eine große Reise zu eben diesem Bruder unternehmen und dort ganz offiziell heiraten – einmal standesamtlich und einmal richtig traditionell in der Synagoge.
Iris: Und Abraham hat dieses späte Glück nicht etwa verurteilt oder moralisch gemaßregelt. Er hat den beiden stattdessen von ganzem Herzen Mut gemacht. Er schrieb ihnen, sie sollten die Sache jetzt endlich anpacken, die Koffer packen und das Versprechen durchziehen. Das zeigt doch, wie viel Verständnis er für die echten Lebenswege der Menschen hatte.
Inge: Wissen Sie, was mich an all diesen Geschichten am meisten fasziniert? Dass wir hier am Ende gar keine glatte Bilanz ziehen können. Das Leben dieser Menschen war kein reines Drama, und es war auch kein einfaches Märchen mit einem billigen Happy End. Es war dieses ganz feine, psychologische Zwischending.
Iris: Genau das ist es. Es ist das ewige Wechselspiel zwischen dem tiefen, oft unbarmherzigen Ernst der Existenz und einer fast trotzigen Lebensfreude. Ein Leben in den Grautönen der Realität. Nasye kämpft nicht mit dem Ruin, sondern mit dem absurden Durcheinander mangelnder Absprachen. Die Schwiegertochter leidet nicht unter Tyrannei, sondern unter der emotionalen Enge eines überforderten Familienheims.
Inge: Und die Mütter bringen ihre Männer hinter Gitter, um überhaupt ein Almosen zum Überleben zu kriegen, während Abraham den Frauen zuruft, sie für den Zusammenhalt der Familie wieder herauszuholen. Das ist das wahre Zwischending: Kompromisse eingehen, Kränkungen herunterschlucken, um am Ende an Yom Kippur doch zusammen zu sitzen, sich zu vergeben und zu trinken.
Iris: Dieses Zwischending verlangte von den Menschen eine unendliche Haltung. Es bedeutete, eine christliche Kette anzulegen, um den Eltern nicht zur Last zu fallen, aber im Herzen stolz zu bleiben. Es bedeutete, eine traumatische Vergangenheit hinter sich zu lassen, um die Liebe eines wartenden Kindes anzunehmen und das eigene Leben im Hier und Jetzt zu riskieren, anstatt auf ein ungewisses Soldatengrab in Amerika zu warten.
Inge: Und jetzt müssen wir uns mal klarmachen, was für eine Mammutaufgabe das eigentlich war. Überleg mal, was Eltern mit vier, fünf Kindern unter diesen harten Bedingungen leisten mussten, um diesen Aufstieg überhaupt zu stemmen! Das war doch kein Zuckerschlecken. Neben der körperlich schweren Arbeit in den Fabriken und Werkstätten musste abends noch Englisch gelernt werden. Im Heim wurden die Traditionen eisern gepflegt, die Gemeinde gestützt – und trotzdem haben diese Leute Kultur konsumiert, gelesen, das Theater besucht. Und das alles trotz der Vorurteile, die ihnen an jeder Ecke entgegenschlugen!
Iris: Genau in dieser Zeit wurden ja auch die Gewerkschaften stark. Sie boten den Familien plötzlich das, was der Staat ihnen verweigerte: genossenschaftliche Wohnungen, Arbeitsrecht, eine eigene medizinische Versorgung. Es war eine gewaltige kollektive Leistung. Und der wahre Triumph dieser Eltern liegt doch darin, was sie für die nächste Generation gesät haben. Diese Kinder sind geradezu aus der Segregation, aus den engen Einwanderervierteln heraus, mitten in die amerikanische Gesellschaft und die Politik geraten!
Inge: Ja, die haben den Weg geebnet für das, was später kam! Für die Enkel, die beim March on Washington für Bürgerrechte auf die Straße gingen, für die Hippies, für die nächste Generation, die sich mit den Traumata der nächsten Kriege auseinandersetzen musste – Vietnam, der Kalte Krieg. Das alles wurzelt in dieser Duane Street, in dem Fundament, das diese Väter und Mütter damals mit ihren nackten Händen gemauert haben.
Iris: Das war dieser absolute, unerschütterliche Optimismus, der über dieser ganzen Epoche schwebte und den wir bis heute spüren können. Die Menschen haben sich nicht bemitleidet, sie haben gehandelt und die Starthilfe dankbar angenommen. Warum tun sie das alles? Nur für die nächste Generation. Damit die Kinder es einmal besser haben, damit sie sich entfalten und alle Chancen der Gesellschaft nutzen können. Niemand in diesen Straßen hatte jemals geringere Hoffnungen für sein Kind. Das war der größte Mut auf der ganzen Erde.
Inge: Und die nachfolgende Generation hat es geschafft. Die Familien zogen später weiter, hinaus in die neuen, weiten Wohnviertel im Grünen. Der Handel mit dem Leben war am Ende fair: Hoffnung und Zukunft gegen den unermüdlichen Einsatz. So hat man sich mit der neuen Heimat arrangiert.
Iris und Inge: Frei von Heuchelei, aber mit einem festen Glauben an das Morgen. Die Stimmen von damals sind heute weg, natürlich. Aber im Geist dieser alten Briefe, in diesem feinen Zwischending des Alltags, triumphiert das Leben über jede Krise. Und das ist das Einzige, was am Ende zählt.