Ein Lesesalon
Wie viel behalten und verändern?

Nachwuchsförderung: Akte Billy Classic

Das Silberbesteck auf dem Mahagonitisch in London gab ein scharfes Klirren von sich, als Kathleen die Kanne senkte und in die leere Tasse ihres Gastes starrte; es forderte sie jedes Mal eine stumme Überwindung, die Haustür für diese jungen Männer mit den nachlässig gebundenen Krawatten aufzusperren, doch sie goss den Tee, reichte das Schmalzgebäck und ertrug das hochnäsige Getue, um zwischen den Phrasen nach einer Spur ihres verlorenen Jungen zu kramen, während der Herr Sohn ihr aus der Ferne giftige Pfeile schickte, sie eine Rabenmutter schalt und eine eiserne Mauer vor ihr hochzog. Oben auf Marple Hall saß Onkel Henry stumm am Schreibpult, hielt sich die Welt mit kühler Höflichkeit vom Leib und drehte geräuschlos am Hahn der Münzen; ein einziger Federstrich genügte, um das Ventil auf- oder zuzudrehen, eine lautlose Dressur, die Christopher mit beiden Händen einstrich, um den Geber gleich darauf im Tagebuch als geizigen Sonderling abzutun und sich so die Schmach des Dankes zu sparen. In Berlin riss der Wagen der Wanderschaft unterdessen nicht ab; Christopher packte seine Koffer von der Admiralstraße in die Simeonstraße und weiter nach Westen, gab den kühnen Freigeist, doch wie viel Pose darin steckte, sah man schon auf dem Fest bei Magnus Hirschfeld, wo er aufkreuzte wie ein bemalter Pfau, überhängt mit billigem Flitter, bis man ihn vor versammelter Mannschaft abkanzelte, er sei nicht als Mann des Geistes erschienen, sondern wie eine ordinäre Straßendirne zum Bankett geschlichen. Auf dieselbe Manier trieb er es mit seinem Schulfreund Wystan, der sich ungeniert auf seine Knie hockte und ihm mit professoraler Kälte die Gesetze der Unterwelt einbläute; in den Schankstuben ging es stocknüchtern zu, man schlug die Zeit beim Kartenspiel und bei zünftigen Raufereien tot, bis für die Burschen, die warten konnten, ein schnelles Liegen für harte Scheine heraussprang. Die Schwere des Ganzen flog erst auf dem großen Transvestitenball im In-Club auf, wo alles wie eine freche Posse von Diderot wirkte, als ein bulliger Fleischergeselle im engen Spitzenkleid das Silbertablett balancierte, vor den Gästen übertrieben knickste und rief: „Champagner für die feinen Herrschaften aus Übersee, aber hübsch vorsichtig nippen, meine Süßen, sonst tropft der Schaum auf das gute Pariser Tuch!“, während ein preußischer Beamter mit Monokel und Straußenfedern auf dem Kopf über die mangelnde Disziplin der Jugend philosophierte und mit Fistelstimme zischte: „Man betrachte doch diese verwahrloste Bande – und doch sitzt die Schnürung tadellos, nicht wahr?“, worauf Wystan im Smoking auf der Sofakante eine Rauchwolke ausstieß, kühl über die Matrosen in Seidenstrümpfen hinwegblickte und trocken bemerkte: „Die westliche Demokratie stirbt nicht an ihren Feinden, meine Lieben, sie erstickt an ihren eigenen Reifröcken“, bis Otto Nowak im gewagten Dekolleté an Christophers Arm vorbeiflankierte, laut auflachte und den feinen Gästen zurief: „Kiek mal, der Engländer! Schaut drein wie die Unschuld, aber stimmt der Zaster, tanzt er nach meiner Pfeife!“, und jedem im Saal zeigte, dass die Masken an diesem Abend die einzige Wahrheit waren. Es gab auch die lichten Tage draußen am Wannsee, das Plätschern im seichten Wasser zwischen tausend Ausflüglern und das Huschen in die Kiefernschatten aus Angst vor fremden Blicken, bis der Frost zurückkam und Otto die nassen Wollsachen Schicht für Schicht abstreifte; sein nacktes Fleisch wurde zur warmen Insel im Eis, denn er mochte zwar Weiber, aber die gierigen Augen des Engländers brachten Geld und neue Hosen, und für ein paar Wochen glänzte die Welt wie Seide. Doch als der feine Besuch aus London am Tisch saß, schalteten die Herren mitten im Satz ins Englische um, warfen Otto aus dem Kreis und lachten über das peinlich gewordene Äffchen, während der Junge stumm dabeisaß und die Zähne zusammenbiss; die Herren führten die Feder und schrieben die Bücher, aber gerecht daran gar nichts war. Am Ende blieb in der Dachkammer der Simeonstraße nur der Gestank des Spülbeckens und das Wasser, das durch die Decke tropfte, während Christopher vor den ungeöffneten Briefen seiner Mutter saß und Otto auf der Bettkante die Groschen zählte, während hinter der Tür in der Nollendorfstraße 17 derweil die Hüterin Zofija herrschte, jene Frau Thurau in ihren Filzpantoffeln. Das Sofa im Flur war ihre vorderste Horchstellung; ihre Hände glitten lautlos über fremde Koffer, kramten nach Namen, Fluchtwegen und Geldsummen. Im Zimmer lag Jean unter der Decke, die Finger giftgrün lackiert, eine Kette Zigaretten im Mund, ganz ohne Begehren und ohne Sünde mit ihrem englischen Bruder verkuppelt; ein englisches Fräulein im Bett war der beste Schirm aus Rauch, um Kathleen in London zu beruhigen, während Zofija sich morgens zurück in die schrullige Wirtin verwandelte, das Blatt unter den fettigen Kuchenteller schob, dem Engländer den heißen Ersatzkaffee reichte und süßlich über die Liebe seufzte, während Christopher herablassend grinste und sich für den König der Bohème hielt. Oben im vierten Stock rechts werkelte ein stiller Schneidergeselle aus dem Scheunenviertel, geflohen vor den Pogromen; sein Hemd roch nach Maschinenöl, er trug keinen Zwirn aus London, und während Christopher in ihm bloß Kulisse sah, war er für Zofija ein offenes Buch. Seine Daten flossen direkt zu Wilfrid Israel, dem Kaufmann; er handelte im Verborgenen nach dem Recht des Lebens und wob aus den Papieren der leichtsinnigen Engländer jene kostbaren Bürgschaften und Nansen-Pässe für Staatenlose, ohne die der Schneiderjunge in den Mühlen der neuen Gesetze schutzlos zugrunde gegangen wäre. Bald darauf trat ein neuer Gast über die Schwelle, ein feiner Knabe, den die Zentrale im Protokoll unter dem Codenamen Billy Classic führte, das Musterbeispiel jener Nachwuchsförderung, die man in den besten Salons von London betrieb, ein junger Mann mit geschliffenem Akzent und der unschuldigen Weste des angehenden Genies, geschickt auf den Kontinent, um den Geist der großen weiten Welt zu atmen, für den Kathleen gewiss auch die Teetassen in London gerückt, die herablassenden Blicke seiner Gefährten ertragen und gehofft hatte, die Reise möge aus dem Knaben einen Mann von Stand machen, während Onkel Henry den Namen im Hauptbuch vermerkt, die Bankanweisungen gezeichnet und das finanzielle Ventil genau so eingestellt hatte, dass der Junge in der Fremde nicht darben musste, während der junge Ästhet das Geld einstrich und die Familie hinterrücks für ihre bürgerliche Enge schmähte. Doch kaum hatte dieser Junge sein Zimmer bezogen, fiel die Maske der Erziehung geräuschlos in den Staub, denn Billy Classic suchte keine Bibliotheken, sondern sein Weg führte ihn direkt in dieselben verrauchten Schankstuben, in denen Christopher und Wystan bereits ihre Lektionen gelernt hatten, wo er nicht viel Deutsch brauchte, um auf den Punkt zu kommen, geduldig beim Kartenspiel und bei derben Raufereien wartete, bis die Blicke an der Theke stimmten und der geschäftsmäßige Tausch von Jugend und Devisen abgewickelt werden konnte, um sich die Jungs aus der Vorstadt, die Rauflümmel mit den stämmigen Beinen wie Otto Nowak, zu holen, sich mit ihnen wie mit billigen Trophäen zu schmücken und sie im Sommer am Wannsee spazieren zu führen, um sich an einer Freiheit zu berauschen, die ganz und gar von den Pfundnoten aus der Heimat bezahlt wurde. Zofija lag derweil auf ihrem Sofa im Durchgangszimmer und führte das Protokoll dieser Nachwuchsförderung ohne jede moralische Regung, schritt mit ihren Pantoffelfüßen ohne Stimme durch die Räume und öffnete die Koffer des neuen Gastes, um Namen, Notizen und Fluchtwege herauszuschöpfen, und wenn Billy Classic am Morgen mit zerzaustem Haar und dem schlechten Gewissen der Vornacht aus dem Gemach lugte, saß sie bereits am Küchentisch, verbarg das Briefpapier nach London unter dem Kuchenteller, reichte ihm den dampfenden Ersatzkaffee und seufzte ihr spöttisches Wort über die Süße der Liebe, worauf er die Tasse nahm, über die vermeintliche Einfalt seiner Wirtin herablassend lächelte und sich als verruchter Rebell vollkommen bestätigt fühlte, ohne zu ahnen, dass sein frivoles Theater für die Wirtin nur ein weiterer Schirm aus Rauch war, hinter dem Wilfrid Israel im Schatten die echten Fäden zog, um das Überleben der Bedrängten zu sichern. Das Visier folgte dem Geld und den Papieren bis in die Büros des Handelshauses im nahen Zentrum Berlins, wo hinter den schweren Vorhängen noch Licht brannte, als die Nacht bereits in den Morgen überging, und Wilfrid Israel die krakeligen Notizen entgegennahm, die Zofija am späten Abend unter dem Kuchenteller hervorgeholt hatte, mit schmalen Fingern über die Namen der britischen Kuriere und die flüchtigen Adressen der Hamburger Matrosen glitt, die die Gäste so unbedacht gesammelt hatten, denn für Wilfrid war diese Nachwuchsförderung des Westens kein ästhetisches Vergnügen, sondern ein Werkzeug zum Überleben, weshalb er den Kopf über den Leichtsinn dieser jungen Reisenden schüttelte, die glaubten, sie spielten ein verruchtes Spiel, während sie in Wahrheit die Gefahr in die jüdischen Häuser trugen, doch er nutzte ihren Rauch, zeichnete die Bürgschaften gegen, glich die Kontoverbindungen mit London ab und wob aus den unbewussten Hinweisen der Gäste jene Nansen-Pässe und Visa, die dem Schneidergesellen aus dem vierten Stock und seiner Familie in den kommenden Monaten die Flucht über die Grenze sichern sollten; das Ticken der Uhr im leeren Büro war wie das Nachlassen einer Feder im Uhrwerk der ganzen Stadt. Im Durchgangszimmer der Nollendorfstraße regte sich unterdessen das nächste Leben, der Morgen brachte das schale Licht durch die Scheiben, und Jean Ross erwachte aus dem betäubten Schlaf, suchte mit zitternden Fingern nach den giftgrün lackierten Dosen auf Christophers Pult und rauchte die erste Zigarette, worauf dieses geschwisterliche Paar, das sich im kalten Zimmer aneinander klammerte wie zwei Vögel im Sturm, kaum ein Wort wechselte, sondern sich an der gegenseitigen Illusion wärmte, ungezähmte Kinder einer neuen Epoche zu sein, während im Flur draußen die Wirtin bereits den Kaffeesatz umrührte, den nächsten Brief nach London frankierte, die Miete abrechnete, die Ausgaben für Ottos maßgeschneiderte Hosen verbuchte und die Fäden stramm hielt, bis die Musik ganz verstummte. Das Auge des Visiers wanderte zurück in die Simeonstraße, tiefer hinein in das feuchte Dunkel der Dachwohnung der Familie Nowak, wo am Küchentisch nicht Otto mit seinem spitzbübischen Grinsen saß, sondern Lothar Nowak, der Bruder, den das Protokoll unter der Kennung des starren Soldaten vermerkte, dessen Glieder nicht geschmeidig waren wie die des Tänzers, sondern dessen Knochen kantig waren, geformt von der Bitterkeit der Fabrik und dem Hunger der langen Winter, der im Halbdunkel die schweren, schwarzen Schaftstiefel polierte, während Otto im Erdgeschoss der Nollendorfstraße seine seidene Haut an den Engländer verkaufte und die Münzen zählte, ein Mann, der nicht viel redete, keine grazilen Floskeln flocht und das geschwisterliche Zimmer-Theater zwischen Christopher und Jean Ross verachtete, weil für ihn diese feinen Vögel aus Übersee nichts als schmarotzende Geschwüre am Leib einer hungernden Stadt waren, die sich den Rausch mit fremden Schecks bezahlen ließen, während daheim die eigene Mutter die Tuberkulose ausspuckte. Lothars Blick war unbewegt wie Stein; eine Schablone aus blindem Gehorsam, ein Panzer aus braunem Tuch, um der Schwere des Bleibens zu entkommen, sodass er sich, wenn er das Koppel schloss und das Abzeichen an die Brust heftete, nicht mehr als namenloser Statist im Schlamm der Vorstadt fühlte, sondern zum Vollstrecker einer neuen, mörderischen Ordnung wurde, dessen Wut sich gegen den Reichtum von Marple Hall, gegen die Schecks von Onkel Henry und gegen das stille, verdeckte Wirken von Wilfrid Israel richtete, dessen Kaufhaus er im Geist schon brennen sah. Zofija auf dem Durchgangssofa registrierte das schwere Auftreten seiner Stiefel im Treppenhaus ohne Stimme, wohl wissend, dass Lothars eiserner Schritt das Ende des ganzen Schachtheaters ankündigte, und jedes Mal, wenn er die Tür zuschlug, zitterte das dünne Briefpapier unter dem Kuchenteller ein Stück mehr, denn er war das unerbittliche Uhrwerk, das die Musik des Balles übertönen sollte. Doch vor der milchglasfarbigen Tür im Keller, dorthin, wo die Kälte des feuchten Mauerwerks den Atem gefangen nahm, fiel in dieser Nacht die letzte, groteske Hülle, als Billy Classic vor die milchige Scheibe trat, den Kragen seiner Lederjacke aufgestellt, nachdem er Christopher im schwarzen Mantel mit dem herüberreichten Geld von Onkel Henry und den Zetteln voller Fluchtwege nach oben ins Bett geschickt hatte, um hier unten seinen eigentlichen Dienst zu verrichten. Er hatte auf diese Mission hingefiebert, hatte die Berichte über das verruchte Berlin und die kühnen Untergrund-Komplotte wie ein Abenteuer aufgesaugt, doch die Realität im Kellerdreck war zutiefst enttäuschend; da war kein großes politisches Drama und kein heroischer Geist, sondern nur eine erbärmliche, durchgeschmierte Tauschbörse, auf der jeder sich stückweise verkaufte, um den nächsten Winter zu überstehen. Vor ihm stand Lothar Nowak, der gefürchtete Schläger aus der Simeonstraße, doch im feuchten Halbdunkel fiel der schwere Tuchmantel geräuschlos auf den Zementboden, und darunter kam das eng anliegende, seidene kleine Schwarze zum Vorschein, dessen feine Pariser Säume im fahlen Licht der Kellertür schimmerten, sodass die mörderische Härte des Mannes von Anfang an nichts als die teuerste Arbeitskleidung der Stadt gewesen war, eine gut geölte Fassade für die Straße, um den Preis in den Salons des Westens in die Höhe zu treiben, worauf Billy Classic keine Miene verzog, in seinem Inneren jedoch die Demütigung brannte, weil die Krone ihn nicht für einen eleganten Spaziergang durch verrauchte Salons geschickt hatte, sondern er buchstäblich hinhalten, sich den Schmutz der fremden Zimmer anheften lassen und jede Berührung ohne das geringste Murren schlucken musste, als Prellbock des Dienstes, der nachts vor der milchigen Kellertür stand, die Feuchtigkeit des Mauerwerks im Rücken und den Gestank von billigem Schnaps in den Kleidern, während er Lothar das Bündel Scheine überließ, da jedes Lächeln, jede intime Berührung und jede gespielte Hingabe befohlene Arbeit war, für die es weder Dank noch Ehre gab, sondern nur die lautlose Pflicht des Schweigens. Er griff in die Innentasche, holte die Brieftasche der Krone hervor und schob ein Bündel unregistrierter Pfundnoten über das feuchte Holz der Kiste – das Schmiergeld für das nächste Dossier, das Schweigegeld für die geheimen Wege, das flüssige Fett, das diese ganze verlogene Maschinerie am Laufen hielt, worauf Lothar das Geld mit einer geschmeidigen Geste entgegennahm, die so gar nicht zu seinen schweren Stiefeln passen wollte, und zurück in den Schatten der milchigen Tür trat. Billy blickt auf die leere Treppe hinauf, zündet sich mit klammen Fingern eine Zigarette an, ließ den Rauch langsam gegen das trübe Glas steigen und wusste, dass das Spiel aus war, während er den Schmutz der fremden Zimmer noch auf der Haut spürte, das schweigende Erdulden all der Hände und Blicke, für die es keinen Ruhm, sondern nur den Befehl zum Aushalten gab, das Bitterste an dieser Nacht jedoch die Erkenntnis blieb, dass die alten Herren in den Londoner Clubs und den feuchten Schlössern ihre Trickkiste bis zur Perfektion beherrschten, indem sie den Jungen den Zauber der Freiheit vorgegaukelt und die Welt mit dem Versprechen des Abenteuers gepudert hatten, der Köder am Ende aber nichts als schnödes, kaltes Geld war, ganz ohne großes Geheimnis, hehre Mission oder ungezähmte Bohème, sondern lediglich mit der Kasse der Krone, den Banknoten von Marple Hall und ein paar Pfundnoten auf einer feuchten Gemüsekiste, mit denen man jede Scham, jeden Verrat und jede menschliche Regung lautlos regulieren konnte, während Christopher bis heute glaubte, er sei der kühne Regisseur seiner eigenen Rebellion, obgleich die Alten ihn längst an der goldenen Leine nach Hause zogen, weshalb Billy das Koppel seiner Jacke schloss und den Staub von den Ärmeln klopfte, um den Schlafwagen erster Klasse am Bahnhof Zoo zu besteigen, fest davon überzeugt, er habe als Einziger den wahren, erbärmlichen Preis dieses Eiertanzes begriffen. Doch das letzte Wort fiel nicht im Keller und nicht auf den Polstern des Zuges, sondern oben im fahlen Morgenlicht der Küche, wo Zofija den fettigen Kuchenteller beiseiteschob, die frisch gezählten Scheine von Kathleen und die Notizen des Foreign Office lautlos in ihrer Schürzentasche versenkte, den Kaffeesatz umrührte und mit einem ungerührten Blick auf die Leere im Zimmer feststellte, dass die Herren aus dem Establishment zwar zu ihren unantastbaren Pässen greifen und das brennende Theater durch den Notausgang erster Klasse verlassen mochten, gerettet von ihrem Namen und ihrem Vermögen, während zurück im Schlamm die Rauflümmel aus den Vorstädten blieben, die Statisten ohne bürgerliches Schutznetz, die Otto Nowaks dieser Stadt und der stille Junge aus der vierten Etage, für die es keine Fahrkarten nach Übersee gab und die den Preis für das frivole Fest mit ihrer nackten Haut im Trümmerfeld bezahlen mussten, aber dass am Ende dieses langen, verlogenen Tages eben doch nur eine einzige Person die Miete für das ganze verbrannte Pflaster kassiert hatte, und so endete der kühne Rebell dort, wo er begonnen hatte, wie nach einer durchzechten Nacht im ewigen, drückenden Hausarrest am Londoner Mahagonitisch, die Musik verstummt, der Rausch verflogen, während Kathleen stumm den Tee nachgoss und noch geschwind das geöffnete Fenster schloss.